Sandkastenspiele mit Donald

0
Erstellt mit Grok AI – x.ai
Erstellt mit Grok AI – x.ai

Um 02 Uhr morgens lokaler Zeit am 03. Jänner 2026 erschütterten Explosionen Venezuela. Die Vereinigten Staaten von Amerika unter ihrem Präsidenten Donald Trump intervenierten, um Nicolas Maduro gefangen zu nehmen, ihn nach Amerika zu bringen, und ihn dort anzuklagen.

Maduro hatte die Wahlen 2024 nach überwiegender Einschätzung nur durch Betrug gewonnen. Die USA, EU, Argentinien, Chile, Peru oder Uruguay erkannten ihn nicht als legitimen Präsidenten an. Auf der Seite seiner Unterstützer fanden sich Russland, China, Kuba, Nicaragua, Bolivien, Iran, Nordkorea oder Syrien. Die USA warfen ihm Drogenhandel vor („Narcoterrorismus“), weshalb das US-Justizministerium ihn anzuklagen beabsichtigte und dazu die Hilfe des Militärs beanspruchte, um seiner habhaft zu werden.

Die Intervention war militärisch ein Erfolg. Aber die Mühen des Tagesgeschäfts sollten erst kommen.

Kaja Kallas, Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, quälte sich zu einem Statement: „Die EU hat wiederholt erklärt, dass Maduro die Legitimität fehlt. Die Prinzipien des Völkerrechts und der UN-Charta müssen jedoch unter allen Umständen gewahrt bleiben.“ Ein Satz, der das Verhalten Europas wieder einmal auf den Punkt bringt: „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.“
Aber auch Russland war in der Zwickmühle. Was sagen? Kommentarlos hinnehmen konnte man das Handeln der USA nicht. Putin, um gutes Einvernehmen mit Donald Trump bemüht, zog es vor, zu schweigen. Also musste Marija Sacharowa herhalten, die Sprecherin des Außenministeriums Russlands, und zweifellos nie darum bemüht, den gleichen Maßstab an handelnde Akteure anzulegen. Sie bezeichnete das Eingreifen der USA daher schließlich als „inakzeptable Verletzung der Souveränität eines unabhängigen Staates“.
Gospoda! Quod licet Iovi, non licet bovi!

Die Fakten waren also geschaffen. Maduro war Geschichte. Und die „venezolanische Blaupause“ hätte fast eine mit Happy End sein können. Schließlich gab es in Venezuela auch eine starke Opposition, die sich auf eine demokratische Legitimation stützen konnte.

Aber es kam anders.

Donald Trump war im Freudenrausch. Wie ein Kind im Sandkasten, das gerade erfolgreich die Sandburg seines Mitspielers zerstört hatte, strotzte er vor Überschwang.
Dem Präsidenten Kolumbiens, Gustavo Petro, drohte er, dieser müsse „auf seinen Hintern aufpassen“, wenn die Drogenlieferungen in die USA nicht enden.
Kuba stehe außerdem auch kurz vor dem Fall, und es solle „einen Deal machen, bevor es zu spät“ sei.
Und dass tatsächlich jetzt gewählte Volksvertreter in Venezuela an die Macht kommen sollen … wozu sollte denn das gut sein? Oder wie Trump es klarstellte: „We will run this country!“
In dem Moment machte er alles zunichte, was an demokratischer Hoffnung hätte sein können (und dass es eher doch auch – oder vielleicht nur – um die Ölreserven Venezuelas ging, wurde unmissverständlich gleich dazu gesagt).
Jetzt ist Donald Trump nicht unbedingt bekannt dafür, ein Meister des feinsinnigen Humors zu sein. Was aus ihm heraussprudelt, meint er so. Zumindest in dem Moment, in dem es passiert. Und wenn es im danach folgenden Halbsatz schon wieder anders ist, dann ist das kein Widerspruch, sondern Können. Es ist auch keineswegs der Drang, sich nur selbst weiter reden zu hören, sondern Disziplin und Strategie. Und in so einem Moment holte er in Anspielung auf die ersten Kriegstage in der Ukraine sogar gegen seinen Freund Putin aus: „Wenn meine Truppen dort in Kiew gewesen wären anstatt seine, wäre die Sache in 24 Stunden erledigt gewesen.“

Und dann war da ja noch Grönland.
Auch Grönland werde noch unter die Fittiche der USA kommen, bekräftigte Trump erneut. Entweder durch Kauf, oder durch militärisches Einschreiten. Verständlich, wenn gerade alles so gut läuft.
Bei dieser Gelegenheit verspottete Trump Dänemark, es würde doch nur Schlittenhunde nach Grönland schicken, um das Land zu schützen.
Dänemark, das stets an der Seite der USA stand und kämpfte, nämlich im Kosovo-Krieg (1999), im Irak (2003), in Libyen (2011) und gegen die Terrororganisation Islamischer Staat in Syrien und Irak. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl verloren mehr dänische Soldaten ihr Leben in Afghanistan (zwischen 2006 und 2014) als amerikanische.
Wer den Schaden hat, braucht sich also über Undankbarkeit nicht zu sorgen.
Und überhaupt, wie komme Dänemark dazu, Grönland zu beanspruchen? Diese Frage wurde vom stellvertretenden Stabschef im Weißen Haus und Homeland Security Advisor, Stephen Miller, gestellt.
Die historisch korrekte Antwort wäre: am 17. Jänner 1917 schloss Dänemark einen Vertrag über den Verkauf einer damals „Dänisch-Westindien“ genannten Inselgruppe. In diesem Vertrag wurde auch festgeschrieben, dass er Erwerber die volle dänischen Souveränität über ganz Grönland anerkenne.
Und der Erwerber war … tatsächlich die USA. Aber was zählt das schon? Miller wie auch Trump sind sich dieses Vertrags sehr wohl bewusst, sind aber der Meinung, dass dieser veraltet sei und der heutigen Weltlage und ihren Vorstellungen einfach nicht mehr entspreche. Nun hat die USA aber ohnedies die Militärbasis Pituffik Space Base auf Grönland (von einst über 50, die sie im Laufe der Zeit selbst geschlossen haben), und es wäre wohl auch kaum zu erwarten, dass sich das seit 2009 selbstverwaltende Grönland, noch Dänemark, kompromisslos einer Wiederinbetriebnahme oder einem Ausbau grundsätzlich entgegenstellen würden. Was immer die wahre Motivation sein mag, ob Rohstoffe oder seltene Erden, oder einfach nur wie Trump selbst sagt: der Besitz Grönlands ist ein „psychologischer Sieg über Konkurrenten wie China und Russland“.

In der denkwürdigen Pressekonferenz am 03. Jänner, nach der Festnahme Maduros, sagte er auf eine Frage zur Einhaltung internationalen Rechts, „wenn ich das Richtige für das amerikanische Volk tue, ist die einzige Grenze mein eigener moralischer Kompass. Mein moralischer Kompass ist sehr stark, vielleicht der stärkste, den es je gab.“
Trumps moralischer Kompass ist also sehr stark. Vielleicht der stärkste, den es je gab. Er ist übrigens ein sehr gesunder Mann. Vielleicht der gesündeste, den es je gab. Vor Venezuela hat er einen Öltanker beschlagnahmen lassen. Einen großen Öltanker. Wahrscheinlich den größten, den es je gab.

Aber trotzdem stellte sich heraus, dass es Tage und mittlerweile Wochen später noch immer keinen Plan für Venezuela gibt.
Maduro ist weg.
Und sonst?

Und zu allem Überdruss will auch Grönland den Avancen Trumps nicht nachgeben. Und Dänemark auch nicht. EU-Staaten entsandten sogar militärische Kräfte (in symbolischer Größe) nach Grönland, um ein wenig Flagge zu zeigen. Was dennoch völlig ausreichte, damit sich Donald Trump wohl persönlich beleidigt fühlte. Und dies wiederum führte dazu, dass der Präsident die Welt wissen ließ, dass er nun Zölle gegen europäische Länder verhängen würde, die gegen seinen Plan der Annexion Grönlands seien. Wie Trump postete, treten zuerst 10% ab 01. Februar, und dann 25% ab 01. Juni für die Länder Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Niederlande und Finnland in Kraft.

Und wo er am Wochenende gerade so im Schreiben war, wurde auch bekannt, dass er dem norwegischen Premierminister Jonas Gahr Store zum Thema Grönland mitteilte, dass er, Trump, jetzt nicht mehr nur an Frieden denken brauche. Wo er doch den Friedensnobelpreis gerade nicht erhalten habe. Und dann schlägt sich Norwegen auch noch auf die Seite Grönlands!

Der Friedensnobelpreis wird übrigens ohnedies nicht von Norwegen vergeben, sondern das norwegische Parlament wählt das Nobelkomitee, und dieses vergibt dann den Friedensnobelpreis (daneben werden weitere Nobelpreise von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften verliehen, sowie vom Karolinska-Institut und der Schwedischen Akademie). Da Trump so gut wie alle Positionen nach Gutdünken mit mehr als willigen Günstlingen besetzt, ist sein Empfinden wohl eher: Norwegen = Nobelpreis.
Oder wie wir in Mar-a-Lago so sagen: „L’État, c’est moi.“

Tatsächlich scheint nun selbst die Europäische Union genug zu haben von Trump’schen Eskapaden. Deutschland, ein bisher äußerst pragmatischer und US-freundlicher Partner in der transatlantischen Verhandlungsführung, äußert sich klar. Frankreich ohnedies, und auch Großbritannien bezieht Stellung. Es scheint zumindest jetzt die Einsicht Oberhand zu gewinnen, dass – nach dem sommerlichen Zoll-Deal zulasten Europas – bloßes Zurückstecken hier nicht hilft.
Das Sprichwort „Der Klügere gibt nach“ ist nichts anderes als ein Ausdruck von Bequemlichkeit, einem trügerischen Gefühl der Überlegenheit, der Resignation, oder schlimmstenfalls Feigheit.
Mutige wissen, dass der Spruch ein bitteres Ende hat: „Der Klügere gibt nach – bis er selbst der Dumme ist.“
Und das geht schneller als man denkt. Und in diesem Fall war die Zeitspanne exakt 175 Tage zwischen der 15%-Zoll-„Einigung“ zwischen Ursula von der Leyen und Donald Trump im Sommer 2025 und der neuerlichen Zollandrohung am 18. Jänner anlässlich Grönlands. Diese Einigung liegt aber nun ohnedies auf Eis, denn eine Zustimmung des Europäischen Parlaments ist wohl im Lichte der aktuellen Entwicklungen in weite Ferne gerückt.

Im Sandkasten passiert früher oder später das Unvermeidliche, wenn ein Kind, das gerade erfolgreich die Sandburg seines Mitspielers zerstört hat, ob seines Erfolgs immer übermütiger wird. Irgendwann boxt das andere Kind zurück, und zwar so, dass es schmerzt.
Es ist tragisch genug, Vergleiche mit Sandkästen und Kindern strapazieren zu müssen, um das Verhalten des amerikanischen Präsidenten zu beschreiben. Und es ist schwer zu sagen, ob das andere Kind der amerikanische Kongress, amerikanische Gerichte, China, oder sonst jemand sein wird. Denn seit dem Mittelalter gibt es ein Sprichwort, das soweit nicht wirklich widerlegt wurde: „Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.“

Und es ist zu hoffen, dass Europa seinen Entwicklungsweg endlich mutig geht, rasch selbstbewusst wird, und lernt, dass der Weg des geringsten Widerstandes kein eigener Weg ist, sondern der Weg der Fremdbestimmung, und im schlimmsten Fall gar der Weg eines Verlierers.