AI Chips für die Vereinigten Arabischen Emirate
Im Jahr 2023 hat die Regierung der Vereinigten Staaten unter Präsident Biden die Exporte von leistungsfähigen NVIDIA Chips nach Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) aus Gründen der nationalen Sicherheit eingeschränkt.
Der 47. Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, änderte den bisherigen Kurs hinsichtlich AI-Chips: im Mai 2025 wurde bekannt, dass die USA und die UAE vor einer Vereinbarung standen, die es den UAE erlauben würde, jährlich 500.000 fortgeschrittene NVIDIA AI-Chips zu kaufen [1]. Die entsprechende Vereinbarung wurde im November 2025 bestätigt [2].
Was dazwischen geschah…
Wie das Wall Street Journal aufdeckte [3], erwarb Scheich Tahnoon bin Zayed Al Nahyan, via Aryam Investment 1 aus den UAE, einen 49% Anteil an der World Liberty Financial Corporation der Trump Familie für 500 Millionen US-Dollar. Tahnoon bin Zayed Al Nahyan trägt auch den Spitznamen Spy Sheikh, ist Nationaler Sicherheitsberater der Vereinigten Arabischen Emirate und gleichzeitig Vorsitzender deren größten Vermögensverwalters, der Abu Dhabi Investment Authority (ADIA), mit einem verwalteten Vermögen von rund 1,1 Billionen US-Dollar.
Der Kauf des 49%-Anteils erfolgte eine Woche vor Donald Trumps Amtseinführung. Vom Kaufpreis flossen den Angaben zufolge 187 Millionen US-Dollar an die Trump-Familie, und weitere 31 Millionen US-Dollar an die Familie Witkoff, zu der auch Steve Witkoff, Trumps Sondergesandter für den Nahen Osten, gehört.
Begnadigung für CZ
Am 21. Oktober 2025 hat Donald Trump den Gründer der Kryptobörse Binance, Changpeng Zhao (besser bekannt unter „CZ“), begnadigt. CZ hatte sich 2023 schuldig bekannt, dass Binance gegen Anti-Geldwäsche-Gesetze verstoßen habe. Er wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die er auch vollständig abgesessen hat, und musste als Binance-CEO zurücktreten. Binance selbst hat 4,3 Milliarden US-Dollar im Zuge eines Vergleichs mit dem US-Justizministerium bezahlt.
Trump lieferte die Erklärung für die Begnadigung in einem Interview gleich mit: es sei nicht einmal ein Verbrechen gewesen, was CZ getan habe, er wurde einfach von der Biden-Regierung angeklagt. Da eine Reihe sehr guter Leute für ihn interveniert hätten, habe er ihn begnadigt [4].
Was dazwischen geschah…
Am 22. Mai 2025 erfolgte die Erstnotiz des Stablecoins USD1 der World Liberty Financial Corporation der Trump-Familie auf Binance. Der USD1 wurde zuvor bereits auf den deutlich kleineren Börsen HTX und MEXC gelistet. Binance jedoch war unangefochtener Weltmarktführer mit fast 40% Marktanteil. Dort gelistet zu sein, ist relevant.
Vereinigte Arabische Emirate investieren in Binance
Im Mai 2025 beteiligte sich die staatliche MGX Fund Management Limited der UAE mit einem Investment in Höhe von 2 Milliarden US-Dollar an Binance. Vorsitzender der Gesellschaft ist erneut der bereits vom World Liberty Financial Corporation Investment her bekannte Spy Sheikh Tahnoon bin Zayed Al Nahyan. Die Beteiligung wurde mit dem Stablecoin USD1 der World Liberty Financial Corporation bezahlt, die unter anderem der Trump-Familie gehört. MGX erklärte laut Forbes [5] auf die Frage, warum die Beteiligung gerade in USD1 bezahlt wurde, dass sich die Kryptowährung aus Geschäftssicht gut dafür eigne, die zugrundeliegenden Assets in USD gehalten würden, und USD1 außerdem eine Compliance-Historie besitze.
Was zuvor geschah…
Im März 2025 kündigte die World Liberty Financial Corporation an, den Stablecoin USD1 einzuführen. Stablecoins sind Kryptowährungen, die 1:1 in Fiatwährungen getauscht werden können. Stablecoins halten aus diesem Grund große Anteile ihrer Assets in genau dieser Währung, in die sie zurückgetauscht werden können. Im Fall des USD1 ist dies der US-Dollar. Der erste öffentlich zugängliche Audit-Report über die gehaltenen Reserven der World Liberty Financial Corporation wies Ende April 2025 einen Zufluss von 2 Milliarden US-Dollar aus [6], welcher der MGX zuzurechnen sein dürfte. Welche erwähnenswerte Compliance-Historie hingegen beim USD1-Coin vorliegen sollte, der im Mai 2025 gerade einmal 2 Monate alt war, scheint nicht wirklich nachvollziehbar.
Abgesehen vom Investment von MGX veränderte sich der innere Wert aller USD1-Assets in der zweiten Aprilhälfte 2025 gerade einmal um 600 US-Dollar (in Worten: sechshundert).
Des Weiteren ist das besondere an Stablecoins, dass sie an ihre Inhaber keine Zinsen ausbezahlen dürfen. Zinsen auf die zugrunde liegenden Assets gehen daher an den Herausgeber des Coins, in diesem Fall die World Liberty Financial Corporation. Die gesamten Fondsmittel in Höhe von 2,127 Milliarden US-Dollar waren per 30. April im Fidelity Investments Money Market Government Portfolio Geldmarktfonds veranlagt, der im Jahr 2025 nach Abzug der Fonds-Verwaltungskosten rund 4% Rendite erwirtschaftete.
Auch halten Stablecoins üblicherweise Barbestände, aus denen Rückgaben der Coins in Fiatgeld („traditionelles Geld“ wie US-Dollar) bezahlt werden – der USD1 hingegen hielt am 30. April 2025 keinen einzigen Cent Barmittel, was durchaus ungewöhnlich ist. Gerade wenn Eric Trump in einem Interview mit CNBC beklagte, dass die Trumps von Banken wiederholt „de-banked“ wurden [8], wäre es wohl mehr als ratsam, sicherheitshalber ausreichend echte liquide Mittel vorzuhalten, und gerade nicht alles in Fonds eines der größten Akteure des traditionellen Finanzsystems zu parken.
Das gesamte Fondsvermögen von 2,127 Milliarden US-Dollar war also jedenfalls im Fidelity Fonds veranlagt und wirft daher bei der erwähnten 4% Rendite pro Jahr immerhin rund 85 Millionen US-Dollar Ertrag ab, die nach Abzug der Kosten ihren Eigentümern bzw. Begünstigten zuzurechnen sind: der Trump-Familie, der Witkoff-Familie, und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Resümee
Donald Trump hat mit seinen Gefolgsleuten die Politik zum Geschäft erklärt. Zum Geschäft zum persönlichen Vorteil, und das weder subtil, noch zurückhaltend, sondern am besten so, dass es alle laut hören. Und auch nationale Sicherheit ist neuerdings verkäuflich.
Welchen Werten er in seinem Handeln grundsätzlich folgt, zeigt nicht zuletzt auch die Präsidialverordnung 14209 [7] zur Reform des Gesetzes gegen Bestechung im Ausland (Reform des Foreign Corrupt Practices Act, kurz FCPA). Damit ordnete er an, bestehende Ermittlungen im Zusammenhang mit Bestechung im Ausland durch US-Personen, Unternehmen, und in den USA börsennotierten Firmen einzustellen, laufende Ermittlungen zu reduzieren, und die Vorschriften im Sinne der Wünsche des Präsidenten zu fördern.
So läuft es jetzt.
Am 10. Februar 2025 wurden die Tore geöffnet, straffrei und ganz offiziell auch das Scheckheft über das Gesetz zu stellen. Und das ist so im Sinne des Präsidenten, so steht es explizit in der Verordnung. Man weiß ja nie, ob man das nicht mal brauchen kann. Aber vielleicht ist ja auch alles nicht so schlimm und nur Zufall. Denn wie Eric Trump vor laufender Kamera über Donald Trump sagte: „Mein Vater ist der Erste, der sich an der Präsidentschaft nicht bereichert hat.“ [8]
Fussnoten:
[1] https://www.reuters.com/business/finance/us-close-letting-uae-import-millions-nvidias-ai-chips-sources-say-2025-05-14/
[2] https://www.linkedin.com/posts/saeed203x_uae-nvidia-aichips-activity-7382132567958859777-gUhK
[3] https://www.wsj.com/politics/policy/spy-sheikh-secret-stake-trump-crypto-tahnoon-ea4d97e8
[4] https://www.cnbc.com/video/2025/10/24/president-trump-addresses-decision-to-pardon-binance-founder-changpeng-zhao-cnbc-crypto-world.html
[5] https://www.forbes.com/sites/zacheverson/2025/10/02/mgx-usd1-binance-trump-stablecoin-world-liberty-financial/
[6] https://landing.bitgo.com/rs/552-OGK-141/images/USD1_Reserve_Attestation_Report_April_2025%20.pdf
[7] https://www.federalregister.gov/documents/2025/02/14/2025-02736/pausing-foreign-corrupt-practices-act-enforcement-to-further-american-economic-and-national-security
[8] https://www.cnbc.com/video/2025/09/16/eric-trump-crypto-solves-all-the-problems-of-modern-day-finance.html
sowie Informationen aus dem Forbes CryptoCodex Newsletter (https://account.forbes.com/newsletters/) und der dort genannten Verlinkungen



